Marc Gini

Ehemaliger Schweizer Skirennfahrer

Marc Gini über seine Karriere als ehemaliger Skirennfahrer der Schweiz

Marc Gini

Ehemaliger Schweizer Skirennfahrer
Marc Gini ist ehemaliger Skirennfahrer der Schweiz. Er war auf Slalom – und Riesenslalomrennen spezialisiert. Am 7. April 2017 hat er seine Karriere beendet.
Hallo Herr Gini,
wie würden Sie das Gefühl beschreiben, nach all den Jahren zurückzutreten? Gibt es das berühmte „lachende“ und das „weinende Auge“?

Ja das gibt es. Ich habe den Rennsport sehr geliebt und werde es vermissen, durch die Slalomstangen zu kurven. Ich habe Momente in denen ich traurig bin, dass es vorbei ist, aber auch Momente, in denen ich mich sehr auf mein neues Leben freue. Zum Glück sind diese freudigen Momente häufiger als die traurigen. Dies zeigt mir, dass es die richtige Entscheidung war.

Wie haben Sie -rückblickend betrachtet- Ihre Verletzungszeit erlebt und was würden Sie anderen Sportlern raten, die sich in einer ähnlichen Situation befinden?

Ich hatte einige Verletzungen. Die einschneidenste war die Knorpelverletzung. Was etwas verstörend war, ist, dass ich zwei Wochen vor der Operation in einem Weltcup Rennen vierter geworden bin. Ich hatte zwar Schmerzen aber das Resultat zeigt, dass diese nicht so drastisch waren. Nach der Operation konnte ich fast zwei Jahre überhaupt nicht mehr Skifahren und litt weitere zwei Jahre unter stärkeren Schmerzen als vor der OP. –Aus meiner Erfahrung würde ich also jedem jungen Sportler raten, zuerst alle möglichen alternativen Behandlungsmethoden zu prüfen, bevor sie sich für eine OP entscheiden. Es gibt sehr effektive Methoden, welche mich beispielsweise wieder Schmerzfrei gemacht haben.

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©Marc Gini

Sie waren bei den Olympischen Spielen in Vancouver dabei. Wie haben Sie die Teilnahme erlebt? Und wie ist es einem Laien zu erklären, weshalb so viele Sportler der Ansicht sind, es sei wichtig, einmal bei Olympia mitgewirkt zu haben?

An meinen Olympischen Spielen, habe ich alles noch intensiver wahrgenommen als an einem normalen Weltcup Rennen. Es hat etwas Mystisches. Ich war vor einer Woche in Athen im Olympiastadion Panathenaikon, welches 1895 errichtet wurde und für die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit genutzt wurde. Da wurde mir erst richtig bewusst, was es für eine Ehre ist, selbst ein Olympionike zu sein.

Was würden Sie als dem einschneidenden Erlebnis Ihrer sportlichen Karriere bezeichnen?

Mein Slalom Weltcup Sieg auf der Reiteralm. Als kleiner Junge habe ich schon immer davon geträumt einmal ein Weltcup Rennen zu gewinnen. Dass dies dann Tatsache wurde und ich vor meinem Idol Kalle Palander gewinnen konnte war ein sehr intensives Erlebnis.

Jeder Schweißtropfen hat sich gelohnt
Sie haben kürzlich auf Facebook geschrieben: „Ich habe mein Herz gegeben und die geilste Zeit dafür bekommen.“ – was kommt denn jetzt? Haben Sie schon Pläne für die nähere Zukunft?

Ich habe bereits während meiner Skikarriere ein „Fern“ Physiotherapie Studium begonnen. Dies werde ich nun im Vollzeitpensum weiterführen und in 2.5 Jahren beenden. Parallel dazu biete ich ein Personal Training an und arbeite mit einigen Nachwuchssportlern.

INFOBOX

Bild2©Marc Gini
Sein Debüt hat er am 5. Januar 2003 im Weltcup gegeben. Insgesamt hat er einen Weltcup für sich entschieden. Seite weiteren Platzierungen lauteten: 49. im Gesamtweltcup 2010/2011, 52. im Riesenslalomweltcup 2008/2009 sowie 14. Im Slalomweltcup 2007/08.

Kann man als passionierter Sportler süchtig nach Adrenalin werden bzw. ist eine Adrenalinsucht vorprogrammiert?

Ja:-) Ich werde meine Hobbys auch dementsprechend wählen.

Sie arbeiten bzw. haben mit vielen Partnern, unter anderem uvex, LEKI und Co., zusammengearbeitet. Was ist Ihnen bei derartigen Kooperationen besonders wichtig?

Ich habe meine Karriere mit den gleichen Ausrüstern begonnen und wieder beendet. Loyalität und Leidenschaft ist mir beidseitig sehr wichtig. Die Menschen hinter den Marken sind für mich entscheidend. Sie müssen authentisch sein.

Was würden Sie Menschen raten, die gerade am Beginn Ihrer Ski-Karriere stehen?

Genießt es und seid euch kein Schweißtropfen zu schade. Es lohnt sich!

YouTube, Facebook, Twitter… Sie nutzen viele Kanäle. Was ist Ihnen beim Austausch mit Ihren Fans wichtig?

Ich selbst finde es spannend, anderen Sportlern zu „followen“. Die sozialen Netzwerke sind eine gute Möglichkeit, näher an den Sportlern dran zu sein. Man kann den Mensch hinter dem Sportler etwas kennenlernen. Dies versuche ich mit Instagram usw. bieten zu können.

Was glauben Sie, werden Sie wohl am meisten vermissen und weshalb?

Die 15 letzten Sekunden vor dem Start. Wenn die Anspannung am höchsten ist, wenn das Adrenalin in den Körper schiesst, wenn man die höchste Stufe von Konzentration erlebt und dann… das spielen mit der Schwerkraft und dem Tempo zwischen den Slalomstangen.

Vielen Dank für das Interview!
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