Marc Girardelli

Ehemaliger alpiner Skirennläufer

Marc Giradelli über seine Karriere als einer der erfolgreichsten Skirennläufer der Welt

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Marc Girardelli

Ehemaliger alpiner Skirennläufer
Marc Girardelli ist ehemaliger alpiner Spitzenskirennläufer aus Österreich, der während fast seiner gesamten Karriere für das Großherzogtum Luxemburg gestartet ist. Im Jahr 1997 ist er zurückgetreten.
Hallo Herr Girardelli,
auf Ihrer Seite sticht mit als erstes ein Skiwear-Konfigurator ins Auge. Was macht für einen Profi das perfekte Skioutfit aus und wie unterscheidet es sich von der Kleidung für den Amateur?

Das stimmt, es ist eines meiner Hauptbeschäftigungsfelder. Da ich selber kein ausgesprochener Mode-Fetischist bin, muss bei uns die Funktionalität passen, da wir vorrangig für Ski-Clubs und Skischulen, aber auch für Firmen und Skiliftgesellschaften individuell designte Bekleidung anbieten. Die Produktion ist in der EU, also sehr gut kontrollierbar und schneller, als die Fern-Ost- Produzenten.

Wie definiert man als einer der erfolgreichsten Skirennläufer den Begriff vom sportlichen Erfolg?

Kurz gefasst könnte man sagen, Ausdauer schlägt Talent. Wobei man nicht erfolgreich sein kann, wenn man nur in einer Eigenschaft sehr gut ist. Es muss das Gesamtpaket bei den körperlichen Voraussetzungen passen. Dann natürlich das Nervenkostüm, das den unglaublichen Druck in Extremsituationen standhalten muss. Ein richtiger Rennläufer funktioniert erst dann richtig, wenn der Stress sehr groß ist. Bei den meisten anderen ist das umgekehrt. Und jeder braucht dieses Gen, dass er sich über Jahre quälen kann, auch wenn der Erfolg nicht immer da ist. Mit dem Ziel, den besten vom Thron zu stoßen.

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©Marc Girardelli

Welche Rolle spielt der Ehrgeiz für einen Sportler bzw. wie sind Sie während Ihrer aktiven Karriere mit dem Anspruch an sich selbst umgegangen?

Als Spitzensportler kommt der Ehrgeiz über die Konkurrenz. Viele viele Male wollte ich früher die Flinte ins Korn werfen. Und wenn ich an meine schärfsten Konkurrenten dachte, fand ich die Motivation, noch härter zu trainieren, weil das für die auch nötig war.

Angenommen, die Skikarriere hätte nicht geklappt… hätte es einen Plan B gegeben? Wenn ja, welchen?

Klar, ich bin an so vielen Sachen interessiert, dass ich 100 Möglichkeiten gefunden hätte, meine Energie und meinen Tatendrang sinnvoll zu einzusetzen. So wie ich es heute sehe, bin ich ein sehr kommunikativer Typ und bin gerne mit anderen Menschen zusammen oder mache tolle Projekte mit ihnen. Nicht umsonst spreche ich 4 Sprachen und lerne gerade Russisch, weil meine wichtigsten Kunden für Events aus Russland kommen.

Olympia, Gesamtweltcup usw. … gibt es einen Sieg, den Sie nie vergessen werden?
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©Marc Girardelli

Ich hatte das große Glück, trotz sehr schweren Verletzungen viele Rennen gewinnen zu können. In allen Disziplinen zu dominieren. Der vielleicht wichtigste Sieg für mich war sicherlich die Hahnenkammabfahrt 1989. Nicht weil es die schwerste und gefährlichste Abfahrt der Welt ist, sondern weil ich das als Slalom-Spezialist geschafft habe. Gegen die grossen Nationen Österreich, Schweiz USA und Italien mit ihren Armeen von Helfern, habe ich das mit einem Team von 3 Leutchen geschafft. Das hat kein Stenmark und auch kein Tomba geschafft.

Sie beteiligen sich an der Organisation verschiedener Skievents in vielen Teilen der Welt. Worin liegt hier die Herausforderung?

Als ich Anfang 2000 in Bottrop die Skihalle gebaut und geführt hatte, habe ich mit den Kundenveranstaltungen in der Halle angefangen. Als ich das Alpincenter dann verkauft hatte, zog ich die Events in normale Skigebiete wie Ischgl, St Moritz, Kitzbühel, Amadé Südamerika und USA etc. Das war und ist immer noch ein tolles Geschäft, weil ich da auch sehr interessante Menschen kennen lerne. Über diese Connection ergeben sich aber auch noch hervorragende Synergien zu meinen Tätigkeiten bei Bemer Int AG sowie meine neue Tätigkeit als Krimi-Autor.

Wie kam es dazu, an einem Kriminalroman mit dem Titel „Abfahrt in den Tod“ mitzuwirken? Wie haben Sie die Zusammenarbeit mit Michaela Grünig erlebt?

INFOBOX

Bild3©Marc Girardelli
Mit 17 startet er in Waterville Valley beim Riesenslalom. Und schon ein Jahr später steht er auf dem Siegespodest: Als Zweiter beim Weltcup-Rennen in Wengen sorgt das Ausnahmetalent für Schlagzeilen. Endgültig an der Weltspitze angekommen ist Marc Girardelli im Februar 1983 – Platz 1 beim Slalom im Gällivare springt für ihn raus. Ein Champion ist geboren. Marc Girardelli schafft es in den folgenden Jahren zum Weltstar und zur Sportikone mit Kultstatus. Wenn der Stadionsprecher den Namen Marc Girardelli verkündet, dann meist als Sieger bei der Abfahrt, in der Kombination und in seiner Spezialdisziplin – dem Slalom. In den Jahren 1985/1986/1989/1991/1993 sichert sich Marc Girardelli mit sensationellen Leistungen die Kristallkugel. Fünfmal ist er Ski-Weltcup-Gesamtsieger. Das hat bis heute kein Profirennläufer mehr geschafft. Zwei Jahre dominiert er den Wettbewerb der alpinen Supersportler souverän. 1988/1989 ist er überragend. Marc Girardelli siegt bei der Hahnenkamm-Abfahrt in Kitzbühel und bei den Lauberhorn-Abfahrten. Beeindruckend seine Bilanz auf dem Erfolgskonto: 46-mal fährt er auf Platz eins bei internationalen Ski-Weltcuprennen, holt sich zwei Goldmedaillen und eine Bronzemedaille bei der Ski-WM sowie zwei Meddaillen bei den Olympischen Winterspielen 1992 in Albertville.
Quelle: http://www.marc-girardelli.com

Das war lustig. Ich traf Michaela Grünig auf einem Golfturnier von Rafael Nadal und fragte sie, was sie beruflich macht. Da sie Krimiautorin war, sagte ich, ich wollte auch schon mal ein Buch schreiben, aber bloß keine Biographie! Da alle anderen Sportler das machen, Fußballer teilweise schon mit 23 Jahren (!), war mir das zuwider. Da haben wir gemeinsam innert 4 Wochen das Konzept des Ski-Krimis entwickelt, und sehr zügig umgesetzt. Das Schreiben machte mir riesig Spaß; ich schreibe ja schon jahrelang Kolumnen und Artikel für Zeitungen, aber die Arbeit am Krimi war einfach super. Nun sind wir an der Umsetzung des Nachfolge-Krimis, weil der erste schon so erfolgreich war.

Sie fungieren als Berater im Bulgarischen Skiverband. Was macht Ihre Tätigkeit hier genau aus?

Ursprünglich ging es um den Saisonstart 2005, des modernsten und besten Skigebietes in Osteuropa, Bansko. Und die Besitzer dieses Skigebietes brauchten für die Saisoneröffnung einen erfolgreichen Sportler. Das wurde über Kempinski organisiert, weil ich öfters Skievents mit Kempinski gemacht hatte. Mittlerweile gehören die Bulgaren zu meinen besten Freunden und ich promote nicht nur Bansko und den Wintersport in ganz Bulgarien, sondern vermittelte für Balkanholidays, was ihnen auch gehört, z.B. den Transport der Athleten und Betreuer aller Nationen mit ihren eigenen Jets zu den verschiedenen Weltcup-Veranstaltungen. Oder ich habe gerade einen Container Wein von Domaine Boyard, das ihnen auch gehört, nach China verkauft.

Möchten Sie uns etwas über zukünftige Projekte erzählen?

Momentan bereite ich mich auf meine TV-Arbeit beim Schweizer Fernsehen vor. Da habe ich den TV-Experten-Job von Bernhard Russi übernommen und sehe darin eine tolle Chance für mich. Ich bin mir sicher, dass ich zwar ein paar Abstriche von meinen bisherigen Aktivitäten machen muss, doch werden sich auf alle Fälle neue Möglichkeiten ergeben, die ich jetzt noch gar nicht verifizieren kann.

Was würden Sie einem Kind raten, das den Traum hegt, Skiprofi zu werden? Sie selbst haben ja den Grundstein für Ihre Karriere auch schon früh gelegt…

Das allerwichtigste ist immer, dass man einen großen Spaß hat, bei dem was man tut. Und die Eltern und Trainer sollten die Kinder und Jugendlichen nicht nur durch die Stangen jagen, sondern, wie wir, durch den Wald fahren lassen, Schanzen-springen oder Tiefschneefahren lassen. Skirennsport ist nicht so einfach, weil er sehr zeitintensiv und auch finanziell teuer ist. Aber ich kenne keinen Sport, der mehr Freiheitsgefühl vermittelt, wie Skisport. Und auch, wenn nicht jeder die Chance haben sollte, Weltmeister zu werden, ist der Skirennsport in jedem Fall eine riesige Bereicherung fürs Leben, für jeden, der ihn mal ein paar Jahre intensiv betrieben hat.

Vielen Dank für das Interview!
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