Fabio Renz

Deutscher Ski Fahrer Nationalteam im B-Kader

Fabio Renz: Nach Horrorsturz zurück auf den Skiern

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Fabio Renz

Deutscher Ski Fahrer Nationalteam im B-Kader
Fabio Renz ist deutscher Ski Fahrer im B-Kader des Nationalteams. Bei seinem Horrorsturz im März 2015 hat er einen Bruch des linken Schien- und Wadenbeins und des linken Handgelenks erlitten. Nun blickt er wieder positiv auf die nächsten Wettkämpfe.
Hallo Herr Renz,
was für ein Gefühl war es, nach einer längeren Pause wieder auf Skiern zu stehen?

Es war vor allem aufregend. Ich war verständlicher Weise ziemlich unsicher und gleichzeitig neugierig, ob mein Körper wieder so funktioniert wie früher. Umso schöner war es festzustellen, dass ich keine Beschwerden mehr habe und das Ski fahren offensichtlich wie Radln ist – das verlernt man nicht.

Kennen Sportler eigentlich „Lampenfieber“ bzw. wie würden Sie das Gefühl vor einem Wettkampf beschreiben?

Ehrlich gesagt habe ich von Lampenfieber im Zusammenhang mit einem Wettkampf noch nie gehört, ich dachte das gibt’s nur beim Theater ;) Aber Spaß beiseite, eine gewisse Anspannung bzw. Nervosität ist auf jeden Fall vorhanden. Das ist aber auch gut so, denn dann sind die Sinne geschärft und dass ist vor allem im Abfahrtssport überlebenswichtig. Da kann es schnell zu üblen Verletzungen kommen wenn man nicht 100% bei der Sache ist.

Wie „schmerzhaft“ ist eine solche Pause für die Psyche?
Bild1

©Fabio Renz

Das war eine extrem harte Zeit. Ich arbeite Gott sei Dank schon lange mit einem Mentalcoach zusammen, der mir hilft mit solchen Situationen richtig umzugehen. Natürlich gibt es trotzdem Phasen in denen man gerne das Handtuch schmeißen würde. Da war es für mich vor allem wichtig sich Ziele zu setzen, die man erreichen möchte. Anfangs war das so etwas banales wie schmerzfrei Joggen zu gehen. Aber man wächst ja mit den Aufgaben.

Welche Rolle spielt mentale Stärke vor einem Wettkampf?

Meiner Meinung nach eine extrem wichtige. Mit Druck, Ängsten und Zweifeln umzugehen ist eine extrem heikle Angelegenheit, die oft auch schief gehen kann. Wenn man da mental richtig eingestellt ist, dann kann man sowas jedoch in positive Energie umwandeln, die einen zu Höchstleistungen antreibt.

Viele Sportler lieben ihren Sport, haben vielleicht aber weniger Lust auf die Arbeit mit den Medien. Geben Sie eigentlich gern Interviews und was war die lustigste Frage, die Ihnen gestellt wurde?

Ja das tue ich tatsächlich sehr gerne. Es ist auch schön wenn man einen kleinen Einblick in seine Gefühlswelt liefern kann, denn woher soll denn der Zuseher wissen, was in einem während eines Wettkampfes vorgeht. Was die lustigste Frage war ist schwer zu sagen, das war meistens „Situationskomik“ und wäre jetzt wahrscheinlich total unlustig.

Immer vorwärts
Wie haben Sie sich nach Ihrer Verletzung wieder auf die aktive Teilnahme am Sport vorbereitet? Fällt es schwer, langsam anzufangen?

Zum einen mit sehr viel Konditionstraining und zum anderen mit vielen Mentaltrainings. Es ist tatsächlich gar nicht so einfach während der Rehaphase geduldig zu bleiben. Man würde manchmal gerne mehr Fortschritt sehen, aber erzwingen hilft eben doch nix.

War in den letzten Monaten wirklich „nur“ Schonung angesagt? Oder gab es ein alternatives Trainingsprogramm?

Es waren tatsächlich vier Monate Schonung angesagt. Ein bisschen Oberkörper durfte ich aber dennoch trainieren, das tat ganz gut. Ich könnte mich aber in dieser Phase ganz gut durch mein Studium ablenken.

INFOBOX

Bild2©Fabio Renz
Die Erfolge von Fabio Renz können sich sehen lassen. Er war vor seinem Unfall in der Super-G-Weltrangliste zwischen den Plätzen 60 und 70 unterwegs. Im Europacup gehörte er im Super G und der Abfahrt zu den Top 15.

Was erwarten Sie von Ihren kommenden Wettkämpfen?

Ehrlich gesagt erwarte ich mir gar nichts. Das mag etwas komisch klingen aber Erwartungen bauen unnötig Druck auf. Ich sehe mich stattdessen vor meinem geistigen Auge wieder in alter Form Ski fahren.

Glauben Sie, dass Sie in Zukunft anders an Wettkämpfe herangehen? Gibt es vielleicht sogar eine „Angst vor der Angst“?

Ich werde definitiv anders an Rennen rangehen wie vor meiner Verletzung. Das ist nur die logische Konsequenz aus dem Unfall. Somit habe ich die Chance, sowas in Zukunft zu vermeiden. Eine Angst vor der Angst gibt es schon. Das sind aber Phasen in denen der Kopf schon viel zu sehr das „Denken“ übernommen hat. Für solche Situationen gibt es dann die Kurzwahl zum Mentalcoach.

Was ist Ihnen bei der Suche nach neuen Sponsoren besonders wichtig?

Ich möchte meinen Sponsoren etwas bieten, das sie sonst nicht bekommen. Ein klassisches Sponsoring ist in Zeiten von Social Media meiner Meinung nach etwas zu langweilig. Da ich selber BWL mit Schwerpunkt Marketing studiere, erarbeite ich daher immer ein passendes Konzept – damit das Beste für beide Seiten rausspringt.

Vielen Dank für das Interview!
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